Die vier folgenreichsten Fehlannahmen über die deutsche Energiewende.
Dieses Argument bringen linke Politiker immer wieder. Die Grünen versprechen auf ihrer Website etwa «bezahlbare Energie- und Strompreise» durch die Energiewende. Windräder und Solardächer garantierten «auf Dauer wettbewerbsfähige Strompreise für die Wirtschaft» und stellten eine «langfristige, finanzielle Entlastung» für die Verbraucher dar.
Meist argumentieren sie mit den sogenannten Stromgestehungskosten. Man rechnet aus, wie viel ein einzelnes Kraftwerk kostet, wie lange es laufen kann, und setzt das ins Verhältnis zur Menge an Strom, die es erzeugen kann. Tatsächlich schneiden Windräder und Solardächer hier am besten ab, vor Atomreaktoren oder Gas- oder Kohlekraftwerken.
Es gibt nur ein Problem mit dieser Rechnung: Sie blendet die Kosten des Gesamtsystems aus. Und die steigen, je mehr Erneuerbare darin enthalten sind. Dann nämlich fällt ihr grösster Nachteil immer stärker ins Gewicht, ihre Volatilität.
Um die Schwankungen der Erneuerbaren auszugleichen, braucht es umfangreiche Absicherungen. Speicher müssen errichtet werden und Gaskraftwerke in Reserve gehalten werden. Auch die Netze müssen deutlich stärker ausgebaut werden, denn der Strom muss ständig von einem Ort zum anderen geschoben werden.
Wer Atomkraftwerke im Mix hat, bezahlt am Ende womöglich weit weniger. Der französische Stromnetzbetreiber RTE hat das vor einigen Jahren einmal verglichen. Das Ergebnis war eindeutig: Das Mischsystem kostet Frankreich jedes Jahr 18 Milliarden Euro weniger als eines, das nur Erneuerbare enthält. Trotz dem Atommüll, trotz der Wartung der Meiler, trotz dem geplanten Neubau von insgesamt 14 Reaktoren. Das war alles mit eingerechnet. Dafür können sich die Franzosen Investitionen an anderer Stelle sparen.
Wenn Politiker also sagen, mit Erneuerbaren werde am Ende alles günstiger, lassen sie entscheidende Informationen aus.
Viele Politiker argumentieren, Klimaschutz sei nicht nur notwendig, er lohne sich auch. Der vormalige Kanzler Olaf Scholz etwa versprach 2023 ein Wirtschaftswunder wie in der Nachkriegszeit.
Doch Skepsis ist angebracht. Das Geld, das die Menschheit für den Klimaschutz ausgibt, ist eine freiwillige Massnahme, um einen lebenswerten Planeten zu erhalten. Es erhöht weder die Produktivität noch das Angebot an verfügbarer Energie, wie etwa Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft argumentiert. Es wird nur ein teurer Kapitalstock ersetzt durch einen anderen, fossile Kraftwerke durch erneuerbare Energieträger. Es handelt sich also um ein Nullsummenspiel, es sei denn, ein Land erhöht das Energieangebot, wie zum Beispiel China, das neben den erneuerbaren Energien auch Kohle- und Kernkraftwerke baut.
Nun könnte man meinen, die gewaltigen Investitionen in die erneuerbaren Energien kurbelten das Wachstum an. Doch es ist vor allem der Staat, der den Ausbau der erneuerbaren Energien treibt, und nicht der Markt. Über eine Umlage, die Verbraucher zahlen mussten, förderte Deutschland Wind- und Solardächer seit der Jahrtausendwende mit mehr als 200 Milliarden Euro. Diese Umlage bezahlt mittlerweile die Regierung. Im vergangenen Jahr allein waren das 16,5 Milliarden Euro. Ausserdem entschädigt der Staat die Betreiber von Windrädern, wenn ihr Strom nicht abtransportiert werden kann. Diese Subventionen mögen in der Windkraft- und Solarbranche tatsächlich einen Aufschwung herbeiführen, er belastet aber die Staatskasse und damit mittelbar die Bürger, ohne dass gesamtwirtschaftlich etwas gewonnen wäre.
Immer wieder heisst es, Deutschland müsse beim Klimaschutz vorangehen und besonders ambitionierte Massnahmen beschliessen. Häufig ist damit die Hoffnung verknüpft, dass andere Staaten folgen werden. Ist sie berechtigt?
Es kommt darauf an. Entscheidend wird für andere Länder nicht sein, wie schnell Deutschland klimaneutral wird, sondern, ob es dabei seinen Wohlstand erhält. Nur eine klimaneutrale und zugleich prosperierende Wirtschaft wird Nachahmer finden. Selbst der vormalige Kanzler Olaf Scholz, der eine Vorreiterrolle Deutschlands beim Klimaschutz forderte, hat das grundsätzlich anerkannt. Deutschlands Antwort auf den Klimawandel, schrieb er in der «FAZ», müsse «so attraktiv und technologisch überzeugend sein, dass andere Länder uns nacheifern wollen».
Bislang sieht es aber nicht danach aus, im Gegenteil. Die Strompreise in Deutschland gehören zu den höchsten der Welt; ein mittelständisches Unternehmen in Deutschland zahlte im Jahr 2024 beispielsweise 55 Prozent mehr dafür als in Frankreich und Spanien. Noch grösser ist der Abstand zu China und den USA. Der deutsche Mittelstand sieht die hohen Energiepreise mittlerweile als eine der grössten Gefahren für sein Geschäft, wie aus einer aktuellen Umfrage hervorgeht.
Trotz den Milliarden, die Deutschland in die Energiewende gesteckt hat, fällt die Gesamtbilanz ernüchternd aus. Strom ist teuer und noch dazu vergleichsweise klimaschädlich.

Die Folge ist eine rasante Deindustrialisierung des Landes. Allein im vergangenen Jahr haben Industrieunternehmen mehr als 120 000 Arbeitsplätze gestrichen, seit 2019 sind Hunderttausende Jobs weggefallen.
Es ist deshalb zweifelhaft, dass die Welt Deutschland ausgerechnet auf diesem Weg folgt.